Stefanie Busch – The Good Times Are Killing Me

Lichtkästen, Siebdruck

15. März 2011 bis 05. Juni 2011

Neue Sächsische Galerie

suburbia, 2007, hinterleuchtete Folienmontage
aus der Serie Cuyahoga Series, 2006, Siebdruck auf Papier
Stefanie Busch, Portrait

Die Neue Sächsische Galerie stellt mit den Arbeiten Stefanie Buschs eine Künstlerin ausgeprägter Eigenart vor. Kommt sie auch wie so viele Künstler der jüngeren Generation über das fotografische Bild zum Motiv, so ist dessen Verarbeitung jedoch ungewöhnlich. Ihr Weg führt sie vor allem über den Verzicht auf Farbwerte und ein kompliziertes Bildherstellungsverfahren. Sie kombiniert aktuelle mit klassisch handwerklichen Techniken.

Ausgangspunkt aller Arbeiten Stefanie Buschs ist die Fotografie. Die Künstlerin beobachtete auf ihren Reisen kritisch alltägliches Leben in amerikanischen Städten oder auf dem Balkan. Was sie suchte, waren Erfahrungen der Irritation im Normalen, Situationen besonders intensiven Erlebens, die, die soziale Verfasstheit spiegeln. Ein einzelnes Foto kann diese Eindrücke kaum adäquat erfassen, weil sie doch die Essenz einer Vielzahl sich überlagernder Wahrnehmungen bilden. Der Verdichtung gibt Stefanie Busch ihre Bildform durch Abstraktion der Fotomotive in stark vereinfachte Graustufenbilder und die Überlagerung verschiedener Motive bis zu ihrer teilweise irreversiblen Vermischung. Komplexität beherrscht den künstlerischen Prozess vom Eindruck bis zur letztendlichen Bildform.

Stefanie Busch gibt die Konkretheit des Ortes, die noch das Foto auszeichnete, auf und verallgemeinert auf ein typisches hin. Es ist Geschehen aus der westlichen Welt. Die Bildsituationen sind so zumeist figurenleer aber voller Spuren menschlichen Handelns. Sie übersetzt die Eindrücke von Geschwindigkeit, sinnleerer Betriebsamkeit, von potentieller Gewalt und von Verfall in Grafiken drastischer Schärfe. Die Zuspitzung entsteht wesentlich durch die Wahl der Techniken: Siebdrucke in klaren Farbflächen verschiedener Grautöne sowie Folienschnitte auf Plexiglas in kontraststark leuchtenden Kästen.

The Good Times Are Killing Me« ist der Titel einer Serie neuer Arbeiten von Stefanie Busch, die im Format eines Magazins ihre Betrachtungen zur derzeitigen Regression in den Vereinigten Staaten visualisiert. Während eines mehrmonatigen Aufenthalts im Mittleren Westen der USA verschränkt Stefanie Busch selbstreflexive Auseinandersetzungen mit ihrem Status als Künstlerin und die offensichtlichen Bilder eines trotz maroder Verschleißerscheinungen noch funktionierenden Systems.... Der pragmatische Umgang mit den Spuren der Regression beispielsweise in Detroit fasziniert die Künstlerin. Ein ehemaliges Opernhaus wird zum Parkhaus umfunktioniert, die Melancholie über diese Situation wird durch das Unkonventionelle und konkret Praktische verdrängt. Die Krisenerscheinungen des Kapitalismus werden deutlich, jedoch von den AnwohnerInnen dieser riesigen und leer gezogenen Stadt unprätentiös für neue Lösungsansätze genutzt. Dem Umgang mit den Brachen der Stadt wohnen ein stiller Optimismus, Wut und Kreativität inne, die nicht umsonst zur Entwicklung von Tekkno und Urbaner Landwirtschaft geführt haben.

Initial für die Arbeit »The Good Times Are Killing Me« waren Simone de Beauvoirs Betrachtungen, die sie in ihrem Werk »Amerika Tag und Nacht« aus dem Jahr 1947 verarbeitet. Stefanie Busch erarbeitet sich ein Tagebuch, das sich aus Begegnungen, Spaziergängen und Recherchen speist. Wieder und wieder ergänzt sie ihr Fotoarchiv, aus dem sie sich dann die Motive und Codes des heutigen Amerikas Tag und Nacht herausschält. Durch das anschließende Zerschneiden, Drucken, Überlagern und Re-Inszenieren dieser Bilder überhöht und überzeichnet sie das zeitgenössische Amerika.

Kurzbiografie: geboren in Dresden, 1998 - 2003 Studium der Malerei, Grafik und anderen künstlerischen Medien an der HfBK Dresden I 2003 - 2005 Meisterschülerin bei Lutz Dammbeck I 2004 Hegenbarth - Stipendium der Stadt Dresden I 2006 Aufenthaltsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in Cleveland/Ohio I 2009 Aufenthaltsstipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst in Columbus/Ohio I lebt und arbeitet in Dresden.

 

Begleitprogramm

Sonntag, 10. April, 14 Uhr
Kunst in Familie: Paradiese leuchten grau
Familiennachmittag

Die Ausstellung wird gefördert durch das Kulturbüro der Stadt Chemnitz und den Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V.

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