Herbert Kunze

zum 100. Geburtstag

04. Februar 2014 bis 06. April 2014

Neue Sächsische Galerie Chemnitz

o.T., 1975 Tuschezeichnung, 29,5 x 21 cm, © Bilder bei den Rechtsnachfolgern, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Mond, um 1969, Öl auf Leinwand, © Bilder bei den Rechtsnachfolgern, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden
o.T. (Fiat), um 1977 Collage, 41,9 x 29,3 cm, © Bilder bei den Rechtsnachfolgern, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Selbstbildnis, um 1948 Öl auf Leinwand, 55 x 48 cm, © Bilder bei den Rechtsnachfolgern, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Herbert Kunze hätte im Juli 2013 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass erinnern der Kunstfonds des Freistaates Sachsen, Staatliche Kunstsammlungen Dresden und die Dresdner Volksbank Raiffeisenbank mit der Ausstellung in der Villa Eschebach an diesen wichtigen Dresdner Künstler.
In Chemnitz geboren und in Dohna aufgewachsen, studierte Herbert Kunze zwischen 1932 und 1937 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Kriegsdienst und Gefangenschaft behinderten seine künstlerische Entwicklung. Nach seiner Rückkehr 1948 nach Dresden schloss Kunze sich der Künstlergruppe »Das Ufer« an, die es sich in der wirtschaftlich wie geistig-kulturell schwierigen Nachkriegssituation zur Aufgabe gemacht hatte, mit ihrem künstlerischen Schaffen am Wiederaufbau des zerstörten Landes und der Schaffung neuer kultureller Grundlagen mitzuwirken. Kurzer freischaffender Tätigkeit folgte seit den frühen 1950er Jahren auf Initiative von Rudolf Bergander ein Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Dort war Kunze ungeachtet vielfältiger
Schwierigkeiten und kulturpolitisch motivierter Anfeindungen mehr als zwanzig Jahre als Dozent tätig. Zwischen den Anforderungen staatlicher Kunst- und Kulturpolitik und den persönlichen Ansprüchen an sein Werk suchte er – unter
zunehmendem Druck staatlicher Kunstdoktrin – beharrlich seinen persönlichen Weg. Dieser führte ihn sukzessive weg
von der Formensprache des Sozialistischen Realismus hin zu einer an den Vorbildern des Informel geschulten Kunstauffassung. Damit positionierte sich der Künstler abseits der kulturpolitisch geförderten und geforderten Kunst, was die bis zu seinem Ausscheiden aus dem Lehrbetrieb erheblich zunehmenden Schwierigkeiten begründete. Die sich verschärfenden Anfeindungen im beruflichen Umfeld führten schließlich dazu, Gegenstand gebunden Stil der Frühzeit, zeigen sich seine Werke seit den 1960er Jahren zunehmend von abstrakten und informellen Tendenzen der modernen Kunst inspiriert, für die Georges Braque und Nicolas de Staël wichtige Bezugspunkte bildeten. Formal-ästhetische Spielarten der kubistischen, abstrakten und informellen Moderne entwickelt Herbert Kunze zu einem eigenständigen Werk, das seine Vorbilder nicht verleugnet, aber auch nicht kopiert.

Das vielfältige Schaffen Herbert Kunzes ist zugleich ein exemplarischer Fall für qualitativ hoch interessante OEuvres, die in der ehemaligen DDR, weitgehend im Schatten des von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommenen Kunstgeschehens, entstanden.
Die Ausstellung zeichnet die stilistische Entwicklung Herbert Kunzes von seinen frühen Arbeiten bis zum Spätwerk
beispielhaft nach. Die Vielfalt der Exponate – Gemälden, Zeichnungen und Aquarelle sowie Materialdrucke, Tuschemalereien, Kalligraphien und Collagen – soll das Experimentieren mit der »maniera« internationaler Vorbilder zeigen und den künstlerischen Weg Kunzes zu einer Formlosigkeit »im Spannungsfeld von Formauflösung und Formwerdung«(Rolf Wedewer) erfahr- und erlebbar machen.
Maximilian Claudius Noack/Silke Wagler



Biografie:
6.7.1913 geboren in Chemnitz, 1928 – 1929 Lehre als Dekorationsmaler in Dohna, Besuch der Gewerbe- und Berufsschule in Pirna, danach Gelegenheitsarbeiten, 1930 –1932 Besuch der Abendschule an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe Dresden, 1932 – 1937 Studium an der Akademie für Bildende Künste Dresden bei Ferdinand Dorsch, Max Feldbauer, Karl Albiker und Wilhelm Rudolph, 1937 4-monatiger Studienaufenthalt in Amsterdam und Groningen – Kontakt zu den Werken von Constantin Permeke und Nicolas de Staël, 1939 – 1948 Kriegsdienst und anschließende Kriegsgefangenschaft in Rumänien und der Sowjetunion: dabei künstlerisch tätig u.a. für Lagertheater, 1948 – 1953 freischaffend in Dresden tätig, 1949 – 1957 Mitglied der Dresdner Künstlergruppe „Das Ufer“, seit 1953 Dozent an der HfBK Dresden, seit 1960 zunehmende Schwierigkeiten im Lehrbetrieb aufgrund wachsender Kritik der Hochschulleitung an der »zurückhaltenden und abwartenden Position in kulturpolitischen Fragen und fehlender künstlerische Entwicklung hin zum sozialistischen Realismus« und wegen »seines Versagens in ideologischer und erzieherischer Hinsicht ...«, 1970 Zwangsweise Entfernung aus dem Grundstudium Malerei und Versetzung in die »Bildkünstlerische Technologie und Farblehre« im Studiengang Tafelmalerei, 1975 vorzeitige Emeritierung aus gesundheitlichen Gründen, freischaffend tätig, 1976 einzige große Personalausstellungen zu Lebzeiten im Leonhardi-Museum (Laudatio: Max Uhlig), 17. 11. 1981 gestorben in Dresden

mehr zum Künstler: www.herbert-kunze.com

Museumspädagogische Angebote

„Ohne Titel“ – aber mit Spannung und Rhythmus
für Vor- und Grundschulklasse


Öffentliche Führung dienstags 17 Uhr

 

Pressemitteilung

Ausstellungszeitraum: 4. Februar bis 6. April 2014

Eine Kooperation mit dem Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Gefördert vom Kulturbüro der Stadt Chemnitz, der Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG und den Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V.

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