Grafikbiennale 100 Sächsische Grafiken 2012

Argonauten oder Erfolg ist alles

21. August 2012 bis 21. Oktober 2012

Neue Sächsische Galerie Chemnitz

Gudrun Höritzsch - Die Treppchensteiger, 2012, Holzschnitt
Silvio Zesch, Erfolgsbilanz, 2012, Holzschnitt
Frank Voigt, Argonauten III , 2012, Digitaldruck,
Gabriele Sperlich, zuviel, 2011, Farbholzschnitt
Lothar Rericha, Der achte Tag, 2011, Holzschnitt
Tanja Pohl - Schwere Last, Tiefdruckkombination, Bütten / VG Bild-Kunst Bonn

Als Anknüpfungspunkt der neunten Grafikbiennale 100 Sächsische Grafiken bietet die Geschichte von der Reise der Argonauten ein vielgesichtiges Bild. Sie ist Metapher wie der hier eigentlich auf der Zunge liegende Januskopf. Aufbruch zu unbekannten fernen Ufern, ein unberechenbarer Weg mit Untiefen und ungeheuerlichen Begegnungen, einem Fetisch nachjagend. Die Reise verbildlicht in überzeichneter Härte ein perfides Machtstreben des Auftraggebers, aber auch die Antwort der Argonauten als Annahme einer ehrversprechenden Herausforderung. Das Ergebnis bedeutet ausschließlich Erfolg für eine der beiden Seiten, Niederlage für die andere- ein berührungsfreies, tödliches Duell. Überliefert ist der vorläufige Sieg des Helden Jason. Rache jedoch blieb in der Luft und die Unfähigkeit zu Rücksicht und Ausgleich machte alles zunichte.

Die komplexen Geschehnisse der Argonautensage, die sich von maßlosem Machtstreben und fragwürdigen Ehrbegriffen treiben lassen, die in großen Gesten und beeindruckenden Erzählungen gelegentlich erhaben erscheinen, geben menschliche Schwächen und Stärken und Aufgaben bis heute weiter. Wenn auch Motive aus der Distanz von mehr als zweitausend Jahren Literatur- und Sozialgeschichte gelegentlich schwerverständlich bleiben, so ist doch die Aufgabe des Lesers oder Hörers seit jeher die gleiche: für sich eine Sinnstiftung in der Überlieferung zu finden, sie mit dem eigenen Leben in Vergleich zu bringen.

Die Bearbeitung grundlegender Themen des sozialen Miteinanders, lokal wie global, hat eine lange Tradition, gerade auch in der Druckgrafik als einfacher und schneller Technik mit leichter Verbreitbarkeit. Ob der thematische Aufhänger mythologischer, christlicher oder säkularisiert realistischer Natur war, blieb dabei eher dem Geschmack der Zeiten geschuldet. Entscheidend war hingegen immer die Frage nach dem Modus der Darstellung, also der Persönlichkeit des Künstlers. Schlagend plakative bis komplexe Bildformen entstanden. Der Witz jedoch entfaltete sich erst aus dem Umgang mit einem konkreten Motiv, das dem Empfänger der Kunst vertraut war.

Die Einreichungen dieses Jahres dokumentieren eine Tendenz, die von den Qualitäten der Vervielfältigbarkeit und Schnelligkeit immer mehr abrückt in Richtung unikater und verfeinerter Druckwerke. Als verbindendes Element erscheint letztendlich nur noch das zwischengeschaltete, meist maschinelle Druckverfahren, auch hier in vielfacher Varianz unter Nutzung neuester technischer Möglichkeiten. Trägermaterialien wechseln und die Bildfindung muss schon lange nicht mehr allein auf einer Zeichnung basieren, wie es der griechische Ursprung des Wortes suggeriert.
Von alledem kann diese Ausstellung ein Bild geben. Die Suche nach dem adäquaten Ausdruck der eigenen Vorstellungen hat die Künstler auf unterschiedlichste Wege geführt. Die enge Verwobenheit des künstlerischen Ziels mit der benutzten Technik wird in den Bilderklärungen dieses Katalogs gut sichtbar.

124 Künstler hatten 334 Arbeiten zum Wettbewerb eingereicht. Für die 100 ausgewählten Grafiken galten der Jury immer die überzeugende Form und die Prägnanz der künstlerischen Sprache als höchste Kriterien. Ihr gehörten die Dresdner Zeichnerin und Hochschullehrerin Elke Hopfe, Reinhard Rössler vom Künstlerhaus Hohenossig, die Leipziger Künstlerin Anija Seedler, Johannes Schmidt, Kuratoran der Städtischen Galerie Dresden, der Leiter des Malzhauses Plauen, Peter Hochel, sowie Mathias Lindner von der Neuen Sächsischen Galerie an.
 
Ausstellende Künstler:
Harald Alff, Wolfgang Böttcher, Philipp Bruhn, Peter Brunko, Benjamin Dittrich, Klaus Drechsler, Andreas Dress, Christine Ebersbach, Patrick Fauck, Heinz Ferbert, Regina Franke, Eva Gaeding, Karlheinz Georgi, Hubertus Giebe, Christl Maria Göthner, Liat Griver, Erich Wolfgang Hartzsch, Wolfgang Henne, Frithjof Herrmann, Karl Herrmann, Florian Hesselbarth, Andreas Hildebrandt, Klaus Hirsch, Paul Hofmann, Peter Hofmann, Michael Hofmann, Gudrun Höritzsch, Jürgen Höritzsch, Christa Jahr, Jean Kirsten, Eberhard Klauß, Stefan Knechtel, Jannine Koch, Karen Koschnick, Thea Kowar, Melanie Kramer, Timm Kregel, Markus Lange, Volker Lenkeit, Anna Leonhardt, Stephanie Marx, Simone Mende, Jörn Michael, Reinhard Minkewitz, Rolf Münzner, Maja Nagel, Karla Neumeyer (Orlando), Akos Novaky, Frank Panse, Tanja Pohl, Nadja Poppe, Dagmar Ranft-Schinke, Lothar Rentsch, Lothar Rericha, Wilfried Runst, Steffi Sahre, Jürgen Schieferdecker, Jörg Seifert, Sylvia Schinko, Anna-Franziska Schwarzbach, Karola Smy, Wolfgang Smy, Gabriele Sperlich, Klaus Süß, Max Uhlig, Tim von Veh, Frank Voigt, Heike Wadewitz, Dieter Weise, Ines Weisheit, Anja Winkler, Tina Wohlfahrt, Axel Wunsch, Peter Wuttke und Silvio Zesch

Dank großzügiger Spenden konnten erneut neun Preise für herausragende Arbeiten vergeben werden. Preisträger sind in diesem Jahr Eva Gaeding, Stephanie Marx, TanjaPohl, Lothar Rericha, Steffi Sahre, Gabriele Sperlich, Tim von Veh, Frank Voigt und Silvio Zesch.

Die Neue Sächsische Galerie dankt, dass fast alle von der Jury für die Ausstellung bestimmten Arbeiten von den Künstlerinnen und Künstlern durch Schenkung der Sammlung des Museums übereignet wurden. Damit helfen sie, eine lange Tradition fortzusetzen und fügen einen neuen Baustein zu einer der umfangreichsten und niveauvollsten Dokumentationen zeitgenössischer sächsischer Grafik hinzu.
Katalog mit Abb. aller ausgestellten Werke

Katalog zur Ausstellung

Begleitprogramm

Samstag, 15. September 15 Uhr
Führung mit teilnehmenden Künstlern

Sonntag, 16. September 14 Uhr
Kunst in Familie: Mit den Argonauten auf großer Fahrt.
Nach einem Ausstellungsrundgang experimentieren wir mit Holz-, Linol- oder Pappdruck.

Museumspädagogische Angebote

Ritter von gestern & die Kunst von heute
Grafische Auseinandersetzung mit einer antiken Sage.
(Klassenstufe 5 bis 8)

Öffentliche Führung donnerstags 16 Uhr

Ausstellungszeitraum 21. August bis 21. Oktober 2012

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Kulturbüro der Stadt Chemnitz, der Volksbank Chemnitz, der Sparkasse Erzgebirge, der Druckerei druckspecht, der Sozietät Handschumacher Krug Merbecks, dem Künstlerhaus Hohenossig sowie dem Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V.

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